125 Jahre Sängerbund

125 Jahre Sängerbund Goldach

Ja, wir Sängerbündler hätten dieses Jubiläum im Herbst gerne zusammen mit Gastsängern und Publikum an einem Konzertabend in der Aula gefeiert. COVID-19, der kulturelle Lockdown, macht unseren Wunsch zunichte.

125 Jahre Männerchorgesang! In welcher Tradition steht dieser Gesang, woraus ist er herausgewachsen? Gesang ist menschliche Ausdrucksform für Gefühle jeder Art. Gesang trägt eine innere Kraft und Schwung in sich, welche Negatives überwinden helfen. Gesang verbindet sich mit Rhythmus und macht Handeln harmonisch. Viele Chöre tragen «Harmonie» in ihrem Namen. Denn Harmonie meint nicht nur gesanglichen Wohlklang, sondern auch Kameradschaft und Freundschaft.

Männerchöre, wie man sie heute kennt, gibt es seit Anfang des 19. Jahrhunderts. In Goldach waren bereits in der 2. Hälfte jenes Jahrhunderts zwei Männerchöre (Männerchor Goldach und MC Harmonie) beheimatet. Der Sängerbund wurde in der Nachfolge der beiden Chöre am 4. Oktober 1895 vom Gemeindeammann unter den Klängen der Musikgesellschaft Melodia im Schäflisaal aus der Taufe gehoben. Melodia und Sängerbund spielen und singen heute noch, der Schäflisaal, einst wichtiges Zentrum des Gemeindelebens, ist abgebrochen.

Die Festschrift zum 100-Jahresjubiläum zeichnet in den Anfangsjahren ein Bild von einem musikalisch guten, zeitgemässen und aktiven Männerchor. Die Chorleiter stammten aus der Lehrerschaft und die Aktivitäten des Chores waren eine gemeinschaftsstiftende Integration und Stärkung der Dorfgemeinschaft. Familienabende mit Singspielen und Theatern machten den Sängerbund zu einem Verein, den die Goldacher schätzten. 1926 kam es zur Gründung eines weiteren Männerchores, dem Männerchor Goldach. Gesanglich entstand ein kameradschaftlich gesunder Wettstreit zwischen den Vereinen.

1977 wurde mit Max Engel ein Chorleiter gewählt, der den Chor prägte. In Zusammenarbeit mit zwei engagierten Präsidenten (H. Fritsche und A. Falk) entwickelte sich der Sängerbund zu einem geachteten und beachteten Verein im Dorfleben, ein grosser Chor mit Solisten und Doppelquartett. Entsprechend beeindruckte der Chor mit publikumswirksamen Abendunterhaltungen. Es darf auch erwähnt werden, dass der Sängerbund neben dem Gesang als Beitrag zur Dorfgemeinschaft lange Jahre organisatorisch hinter der Durchführung der Raiffeisen-HV stand.

Die Zeiten ändern sich und das gesellschaftliche Leben verändert sich. Traditionelle Vereinsformen haben es schwer. Engagierte Chorleiter sind rar und für einen Verein ein Glück. Trotzdem feiern wir als aktiver und lebendiger Sängerbund. Woher die Kraft? Sicher in der Erfahrung, dass Singen auch im Alter Leib und Gemüt guttun. Rund um das Singen spielt sich vieles an Beziehung, Wertschätzung und Kameradschaft ab. Mit dem Jubiläum feiert der Sängerbund nicht die Geschichte. Er dankt den Vorgängern, dass sie sich zu ihrer Zeit um einen lebendigen Verein mit Zukunft bemüht haben. Er macht sich bewusst, dieses Erbe im gleichen Sinn weiter zu tragen und zuversichtlich in die Vereinszukunft zu gehen.

Mario Studerus

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