Blickwinkel

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“Einen so grossen Unwillen, eine gefährliche Situation zu entschärfen, habe ich noch nie erlebt.”
Dieses wörtliche Zitat stammt vom Koordinator der VCS-Regionalgruppe Rorschach, wurde im Beobachter vom 10. November wörtlich geäussert und soll das Vorgehen der Goldacher Behörden zur Thematik “Künzlerpass” beschreiben.

“Einen so grossen Unsinn habe ich noch selten gelesen.”, so lautet mein Kommentar, nicht nur auf die Aussagen des zitierten VCS-Koordinators, sondern in Bezug auf die gesamte Berichterstattung, welche ein Bild vermittelt, das mit der Realität nichts zu tun hat, sondern nur darauf abzielt, Verantwortliche zu diskreditieren und den Behörden Untätigkeit zu unterstellen.

Bereits im letzten Wellenbrecher wurde über die Thematik beim “Künzlerpass” informiert. Ich möchte die Ausführungen nicht wiederholen. Inhaltlich an dieser Stelle nur soviel: Einer Gemeindebehörde “noch nie erlebten Unwillen” zu unterstellen, ist unanständig. Unanständig vor dem Hintergrund, dass unmittelbar nach der ersten Kontaktaufnahme durch eine Initiantin – und notabene vor Involvierung der Presse – zwei Abklärungen bei Fachspezialisten in Auftrag gegeben wurden, welche beide bestätigen, dass keine Sicherheitsdefizite vorliegen bzw. die Verkehrssituation beim Künzlerpass schlicht nicht entscheidend besser gelöst werden kann. Eine dritte Fachmeinung bestätigt diese Aussagen. Trotzdem bietet der Gemeinderat Hand und will im Rahmen eines Versuchs eine Querungshilfe schaffen, welche es Kindern noch besser erlaubt, die zugegebenermassen anspruchsvolle Situation beim Künzlerpass zu umgehen. Der Versuch wurde zwischenzeitlich beim Kanton beantragt. Zeigt ein solches Vorgehen, mit zahlreichen Besprechungen und Augenscheinen vor Ort, tatsächlich einen politischen Unwillen? Im Ernst?

Ich habe der Journalistin vom Beobachter übrigens angeboten, mit mir einen Augenschein vor Ort zu nehmen. Das wollte sie nicht. Sie wollte ihren reisserischen und suggestiven Bericht schreiben. Ebenfalls nicht an der Teilnahme am Augenschein interessiert war der Koordinator vom VCS selber. Auch das sagt einiges aus.

Wir leben in einer Zeit der Skandalisierung und Polemisierung. Einige Medien sind an der “Story” interessiert, und weniger an der Wahrheit. Traurige Realität. Und dann wundert man sich tatsächlich, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich für das Gemeinwesen zu engagieren?

Persönlich finde ich ein gesellschaftliches oder politisches Mandat immer noch beglückend. Aber man muss sich der Konsequenzen bewusst sein: Die Berichterstattung oder die Wahrnehmung ist nicht immer objektiv. Und passieren tatsächlich Fehler oder Fehlleistungen, folgt der mediale Verriss und die Kommentarspalten sind voll. Die Auswirkungen auf das berufliche und private Leben können dabei immens sein. Kein gutes Zeugnis für eine Gesellschaft, die sich so tolerant und liberal gibt. Die Möglichkeit, auch mal einen Fehler machen zu dürfen, ist eigentlich eine grosse Chance, als Mensch zu wachsen. Heute wird hingegen ein scheinheiliges “Perfektsein” zelebriert.

Ich sag es Ihnen, liebe Goldacherinnen und Goldacher, lieber bereits an dieser Stelle ganz ehrlich: Ich bin alles andere als perfekt und werde mir wahrscheinlich noch einige Fehler leisten und vielleicht sogar mal einen “richtigen Bock” schiessen. Ich hoffe, Sie werden es mir nachsehen. Entscheidend sollte hingegen immer die Absicht bleiben, sein Bestmögliches zu geben. Und daran sollten wir uns letztlich messen lassen.

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