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“Es isch es ghe und es neh.”

Der 90-jährige Paul Fierz und der 8-jährige Beschur Mouzeik arbeiten zusammen in der Holzwerkstatt. Fast täglich stellen die Beiden verschiedene Kreationen aus Holz her. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen, generationenübergreifenden Zusammenarbeit?

Produktives Team

“Lueg, jetzt chasch do inebohre”, weist Paul Fierz seinen jungen Gehilfen an und zeigt auf einen Punkt auf dem Brett. “Aber halt!” Der Chef zeigt auf sein Ohr, Beschur hat seinen Gehörschutz noch nicht angezogen. Konzentriert bohrt der junge Nachwuchs-Schreiner ins Holz. “Mir hend scho verschiedenschti Sache zäme hergstellt”, erzählen sie. Die Liste mit ihren Holz- Produkten ist lang: Nistkästen, Laternen, Bänkli, Autos, Futter-Häuschen für Vögel, Windräder, Bienen- Hotels, ein Igel- Haus usw.

Handwerklich begabt

Wie kam Paul Fierz zu seinem jungen Helfer? Die Familie von Beschur wohnt fast gegenüber. So hat sich der Kontakt ergeben. Früher seien auch seine zwei grossen Geschwister jeweils vorbeigekommen. Aber Beschur sei halt sehr interessiert gewesen. Er sei auch sehr aufgeweckt und handwerklich geschickt. So kam es, dass der Junge immer öfters in Pauls Werkstatt anzutreffen war, unterdessen fast täglich. Oft ist es der Schreiner-Junior, der neue Ideen mitbringt. “Er findet denn immer wieder mol öppis Neus, usem Internet oder so”, erzählt Paul Fierz. Einmal sei er mit der Idee gekommen, eine Rassel herzustellen. Aber nicht nur für sich selber, nein, für die ganze Klasse. Dies war ein besonderes Projekt. Beschur konstruierte dann mit Paul die Rassel, stellte sämtliches Material zusammen, bereitete alles vor und brachte es in den Unterricht mit. Dort leitete er die Klasse Schritt für Schritt an und korrigierte auch die Konstruktionsfehler der Kinder. Dies beeindruckte auch seine Lehrerin Cindy Loher. Sie meint dazu: “Wenn Erwachseni mit Chind öppis erarbeitet, denn lernet d`Chind sehr viel debi. Das Bispiel zeigt, wie enorm wichtig aktivi, bildschirmfreie Zit zäme mit de Chind isch.”

Deutsch und arabisch

In der Anfangszeit hat Paul Fierz den Jungen auch beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt. Auch heute hilft er ihm manchmal bei den Hausaufgaben. Im Gegenzug lernt er vom Knaben ab und zu ein paar Wörter auf arabisch. Er meint aber: “Er isch en strenge Lehrer. Wenn ich’s nöd richtig säge, meint er: Paul, das lernsch du nie!”

In der Zwischenzeit macht Beschur Feuer im Holzofen. Auch das Reparieren der Maschinen ist eine Tätigkeit, die ihn fasziniert. Er scheint in verschiedenen Bereichen bereits gute Fähigkeiten entwickelt zu haben. “Ich tue au gern Schindle mache”, erzählt Beschur. “Aber nöd z’lang, susch wird’s echli langwilig. Am liebschte tue ich aber öppis baue.”

Alt und jung zusammen

Es beeindruckt mich sehr, wie die Beiden zusammenarbeiten und wie sie miteinander umgehen. “Er chunnt mit neue Idee und isch so begeisteret, das macht mir au Spass. Das haltet jung!”, betont Paul Fierz. “Es isch es ghe und es neh”. Beim Zuschauen denke ich mir: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn jung und alt so miteinander umgehen würden. “Es isch eigentlich schad, dass nöd meh älteri Lüt ihri Erfahrige witergend”, sagt Paul Fierz. Es wäre tatsächlich eine riesige Chance, wenn mehr ältere Personen dies machen würden. Alles Wissen und all die Erfahrungen der älteren Generation sind eine riesige Ressource. Vielleicht kann dieser Bericht ja ein Anstoss dazu sein, diese vermehrt zu nutzen?

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