Aus dem Alltag in der Schule

“Herr Näf, de Luca het d’Wand agmoolet…”

Die neue Serie: Geschichten aus dem Kindergarten. Leicht überspitzt, unterhaltend, aber nach wahren Begebenheiten…

Das Geräusch…

Ein ruhiger Vormittag. Die Kinder spielen vertieft und ruhig. Alles läuft wie geschmiert. Bis da ein Geräusch ertönt: zuerst der Aufprall, dann ein Rieseln, ein Kullern, ein Rollen, das etwa 5 Sekunden andauert. Dann ist es ruhig. Ein Kind sagt: «Au nei, das isch jo schlimm. Wenn das de Herr Näf gseht.» In mir zieht sich alles zusammen. Ich kenne dieses Geräusch und es löst keine guten Gefühle aus… Eher Beklemmung, Überforderung und Stress. Ich gehe mit mulmigem Gefühl zum Ort des Geschehens. Jetzt sehe ich es, meine Befürchtungen werden wahr: es ist die Bügelperlen-Kiste! Diese liegt verkehrt herum auf dem Boden. Im Umkreis von etwa 5 Metern ist der Boden mit Bügelperlen übersät. Kein Wunder sind es so viele, ich habe sie am Morgen grad noch frisch aufgefüllt.

Von überall her kommen Kinder und wollen helfen. Einander zu helfen haben wir schliesslich geübt. Einige rutschen auf den rundlichen Dingern aus und spedieren sie noch weiter in den Raum hinein. Jemand wischt mit einem Besen, ein anderes Kind schiebt die kleinen Perlen mit einem Schlaghölzli auf die andere Seite. Ein Kind steht dem anderen auf die Hand, ein anderes stolpert über den Besen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass das Chaos mit dem Aufräumen eher noch schlimmer wird. Es fehlt die Organisation, die Führung. Ja, das wäre ja eigentlich ich! Aber ehrlich gesagt bin ich bei diesem Anblick auch ein wenig überfordert. «Znüni- Ziit, es isch sowiit!», rufe ich deshalb laut in den Raum hinein. Alle Helfer ziehen sich zurück und nun wird das ganze Ausmass ersichtlich. Ich fange mit dem Zusammenfegen an. So etwa muss sich Sisyphus gefühlt haben… Erstaunlich finde ich aber vor allem, wie lange wir noch Bügelperlen finden. Die Putzfrau legt dann und wann ein Häufchen auf den Tisch. Wenn ich Möbel verschiebe, kommen regelmässig einige zum Vorschein und ein halbes Jahr später, vor den grossen Sommerferien, als ich den Chindi räume, finde ich noch so viele, ich könnte mit diesen noch locker ein Einhorn legen.

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