Neues vom Kaiser

Neues vom Kaiser

Gute Laune!

Liebes Volk,

Herzlich willkommen im neuen Jahr! Endlich ist das verfluchte 2020 vorbei und alles ist jetzt besser! Ist es nicht? Ja, wer hätte das gedacht! Da haben wir doch an der Uhr gedreht, von Zehn bis Null gezählt, die Null zu einer Eins gemacht, Deckel drauf, Korken raus und das Ganze gewohnt schmalspurpyromanisch mit einem Vorgartenvulkan besiegelt und was ist passiert? Nichts. Die Corona-Pandemie ist immer noch da und grüsst mit zwei neuen Mutationen, gugus! Halli Hallo! „Ein Covid kommt selten allein!“ Diese Fortsetzung wäre so wenig nötig gewesen wie der Kabel-1-Film, nach dem sie klingt – und zeigt wieder einmal: Der unangenehmste Besuch kommt nicht nur immer unangemeldet, sondern meistens auch noch in schlechter Begleitung.

Aber ja, was will man machen. Rumheulen bringt nichts, lasst es uns mit Humor nehmen, was anderes bleibt uns ja nicht übrig. Und das ist ja auch ein bisschen der springende Punkt bei diesem zu oft benutzten Ausspruch: „Nimm’s mit Humor!“ Finde ich persönlich ein wenig übergriffig. „Ob du willst oder nicht!“, schwingt da zwischen den Zeilen noch mit. Fast schon herrisch. Und auch fordernd! Dabei ist Lachen doch eigentlich eine spontane Reaktion. Ein Kommando ist nicht nötig! Deswegen hört man diesen Satz eben auch nur, wenn ein Witz nicht funktioniert hat. Dann, wenn eben nicht von selbst und freiwillig gelacht wurde. „Nimm’s mit Humor! Das ist ein Befehl!“, sozusagen. Nach schwer gescheiterten Witzen gerne auch in der besonders ignoranten Variante: „Nimm’s einfach mit Humor!“ „Als ob das so einfach wäre!“, möchte man da erwidern. „Bei dem schlechten Witz!“ Oder anders gesagt: „Es würde mir leichter fallen, wenn du es mir nicht so schwer machen würdest!“ Das steht in der gleichen Tradition wie die irritierende Redewendung: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Nein, das ist kein Humor. Höflichkeit ist das. Sonst könnte man ja gleich sagen: „Gastronomie ist, wenn man trotzdem isst.“ Was auf den Teller kommt, wird gegessen! Einem geschenkten Kalauer schaut man nicht ins Maul! Und zu meinen Witzen hast du den Humor gefälligst selbst mitzubringen!

Was für eine freche Erwartungshaltung, nicht wahr? Wer sowas sagt, lädt einen auch zu seiner Party ein und sagt scherzhaft, dass man gute Laune mitbringen soll. Hallo? Geht‘s eigentlich noch? Was soll das denn heissen? „Bring gute Laune mit!“ Aha. Warum? „Ja, weil hier findet ihr ganz sicher keine! Gratis gute Laune auf meiner Party? Vergiss es! Das hier ist spassfreie Zone und wenn Du das nicht zu ändern weisst, kannst Du gleich zu Hause bleiben!“

Na toll, ein Haus voller Gäste in der emotionalen Bringschuld. Der Druck, der da auf einem lastet! Man stelle sich vor, ich melde mich nach bestem Gewissen zu diesem Fest an, weil ich denke, ich hätte noch genug gute Laune im Haus – aber dann passiert etwas Schlimmes. Nehmen wir an, mein Hund stirbt – darf ich dann nicht mehr zur Party? Was sagt dann der Gastgeber an der Tür? „Jajaja, ich weiss, wir haben den Barry geliebt, wir alle, ja, es ist traurig. Aber das ist noch lange keine Ausrede, keine gute Laune mitzubringen! Reiss dich zusammen! Davon wird Barry auch nicht wieder lebendig!“ Und dass die gute Laune leidet, dafür muss nicht einmal ein Haustier vor die Hunde gehen – es reicht schon ein Dessert! „Tja, schade, bis gestern war ich noch super drauf, aber dann ist mir mein Tiramisu zwei Mal misslungen und jetzt bin ich fix und fertig. Gerade hatte ich noch gute Laune auf Vorrat, aber jetzt ist sie im Keller!“ Darum sagen die meisten Gastgeber*innen völlig zu Recht: Du musst nichts mitnehmen, ausser gute Laune. Denn sie wissen, man muss sich entscheiden: Gute Laune oder selbst gemachtes Dessert – beides mitbringen geht nicht.

Und so schliesst sich der Kreis, da trifft sich die Polonaise, so läuft die Party: Man nimmt so viel gute Laune selbst mit, damit man dann die schlechten Witze des Gastgebers mit Humor nehmen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes, neues Jahr und zur Sicherheit eine Tupperware voll guter Laune. Sie werden sie wahrscheinlich brauchen.

Es grüsst Sie
Ihr Kaiser

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