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Angekommen im Amt

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt zieht Goldachs Schulpräsident Sandro Wasserfallen eine erste Bilanz. Über intensive Monate, strategische Schwerpunkte – und die Erkenntnis, dass gute Lösungen selten über Nacht entstehen.

Schule kennt Sandro Wasserfallen schon lange. Als Oberstufenlehrer hat er sie vom Klassenzimmer aus erlebt. Als Kantonsrat aus bildungspolitischer Perspektive. Seit einem Jahr schaut er nun von einem weiteren Ort darauf: vom Büro des Schulpräsidenten. Der Blickwinkel hat sich verändert. Die Freude an der Aufgabe nicht. «Ich bin sehr glücklich in dieser Rolle», sagt Wasserfallen.

Das erste Jahr sei intensiv gewesen. Eines, in dem er unzählige Gespräche geführt habe – mit Schulleitungen, Mitarbeitenden, Behördenmitgliedern und Partnern. «Am Anfang ging es vor allem darum, zuzuhören und die Menschen kennenzulernen.» Diese Einarbeitungszeit habe viel Energie gekostet, gleichzeitig aber auch das Fundament für die heutige Zusammenarbeit gelegt. «Gerade der regelmässige Austausch mit meinen engsten Mitarbeitenden hat dazu beigetragen, eine gute Vertrauensbasis aufzubauen. Das zahlt sich bereits heute aus.»

Vieles von dem, was Wasserfallen heute macht, baut auf Erfahrungen auf, die er schon vor seinem Amtsantritt gesammelt hat. Als Kantonsrat und Hochschulrat der PHSG kennt er politische und strategische Prozesse, als Lehrer den Schulalltag und den Umgang mit Menschen. Trotzdem sind es nicht nur die vertrauten Themen, die ihn reizen. Im Gegenteil. «Spannend finde ich gerade auch jene Bereiche, mit denen ich früher weniger Berührungspunkte hatte», sagt er. Dazu gehört etwa die Schulraumplanung: Bauprojekte, Flächenbedarf, langfristige Entwicklungsszenarien.

Neue Themen schrecken ihn nicht ab. Sie motivieren ihn. «Ich lerne gerne dazu. Genau das macht den Reiz dieser Aufgabe aus.»

Eine Erkenntnis habe ihn im ersten Amtsjahr besonders geprägt: In einer Schule laufen nie nur ein oder zwei Themen gleichzeitig. Es sind immer viele. «Am Anfang möchte man möglichst schnell Lösungen finden. Irgendwann merkt man aber: Man kann nicht alles auf einmal lösen.» Stattdessen gehe es darum, Prioritäten zu setzen und Schritt für Schritt voranzukommen. «Das war für mich ein wichtiger Lernprozess.» Dazu gehörten auch Entscheidungen, die nicht überall auf Begeisterung stiessen. Im Rahmen der kommunalen Entlastungsmassnahmen musste die Schule ihren Beitrag leisten. «Natürlich gibt es bei solchen Entscheiden Menschen, die keine Freude haben. Das gehört dazu.» Gleichzeitig sei es wichtig gewesen, Verantwortung zu übernehmen, verständlich zu kommunizieren und aufzuzeigen, dass auch die Schule bereit sei, ihren Beitrag zu leisten. «Letztlich ging es darum, die Gemeindefinanzen zu stabilisieren und die beschlossene Steuerfusserhöhung zu legitimieren.»

Wer mit Wasserfallen spricht, merkt schnell: Schule ist für ihn mehr als ein Verwaltungsbetrieb. Die Themen beschäftigen ihn oft weit über die Bürozeiten hinaus. Trotzdem achtet er bewusst darauf, sich Zeit für seine Familie zu nehmen. «Es kommt oft vor, dass ich nach Feierabend zuerst nach Hause gehe, Zeit mit meiner Familie verbringe und später nochmals ins Büro zurückkehre.» Seine Familie – er ist Vater zweier Söhne – ist für ihn ein wichtiger Ausgleich. «Dort kann ich abschalten und neue Energie tanken.»

Energie wird er auch in Zukunft brauchen. Denn Goldach wächst. Neue Wohnüberbauungen entstehen, damit wächst auch die Zahl der Kinder, die künftig einen Platz in Kindergarten und Schule benötigen. Für Wasserfallen ist deshalb klar: Der Schulraum wird zu einem der zentralen Themen der kommenden Jahre. «Schon heute sind die Platzverhältnisse knapp.» Ihm sei wichtig, frühzeitig Lösungen aufzugleisen. «Ich möchte vermeiden, dass wir irgendwann nur noch kurzfristig mit Provisorien oder Containern reagieren können.» Dabei denkt er nicht nur an zusätzliche Klassenzimmer. Die Frage sei auch, wie Schule künftig aussehen soll. «Neue Lernformen brauchen teilweise andere Räume als klassische Schulzimmer.» Auch unabhängig vom erwarteten Bevölkerungswachstum sieht er darin Entwicklungspotenzial.

Mindestens ebenso stark beschäftigt ihn ein anderes Thema: die frühe Förderung. Als Präsident der Kommission Gesellschaft setzt er sich intensiv mit der Frage auseinander, wie Kinder mit wenig Deutschkenntnissen besser auf den Kindergarteneintritt vorbereitet werden können. «Viele Herausforderungen entstehen bereits vor dem ersten Schultag.»

Besonders bei Kindern, die zu Hause eine andere Sprache sprechen, könne ein früher Kontakt mit Deutsch entscheidend sein. Unabhängig von laufenden kantonalen Massnahmen in dieser Sache geht Goldach einen eigenen Schritt. Ab September startet ein Pilotprojekt, bei dem Eltern gemeinsam mit ihren Kindern kostenlos Deutschkurse besuchen können. «Wir haben gemerkt, dass wir vor allem die Eltern erreichen müssen.» Sprache lernt nicht nur das Kind, sondern das Umfeld gleich mit. Das Angebot sei zwar mit Aufwand verbunden. «Aber aus meiner Sicht ist das eine wertvolle und nötige Investition in die Zukunft.»

Nach einem Jahr im Amt zieht der Schulpräsident ein positives Fazit. Nicht, weil alle Probleme gelöst wären. Sondern weil er das Gefühl hat, am richtigen Ort zu sein.

«Ich habe gemerkt, dass dieser Job sehr gut zu meinem Naturell passt», sagt er. Und: «Der Zeitpunkt hat gepasst.» Dass die Aufgaben in den kommenden Jahren kleiner werden, glaubt er nicht. Dass er ihnen gewachsen ist, hingegen schon. Denn eines hat er im ersten Jahr gelernt: Gute Lösungen entstehen selten über Nacht. Aber sie entstehen, wenn man früh genug damit beginnt.

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