Dominik Gemperli

Blickwinkel

Die letzten Jahre durfte die Gemeinde Goldach den Steuerfuss regelmässig senken, bis auf die heutige Höhe von 91 Prozent. Ursächlich dafür waren Ertragsüberschüsse in den Jahresrechnungen, welche sich zum grössten Teil mit ausserordentlichen Gewinnen begründen liessen.

Bereits im Jahr 2023 verzeichnete Goldach ein erhebliches Defizit in der Jahresrechnung. Für das Jahr 2024 wird sich dieses Defizit nochmals vergrössern und auch die finanziellen Aussichten für die kommenden Jahre sind nicht rosig. Auch dafür gibt es viele Gründe, wesentlichster bleibt wohl, dass zwischen der Steuerkraft und dem Steuerfuss der Gemeinde Goldach zunehmend eine erhebliche Diskrepanz besteht. Konkret bedeutet dies Folgendes: Das Steuersubstrat bewegt sich im kantonalen Durchschnitt, während dem der Steuerfuss im Kantonsvergleich sehr attraktiv ist. Dieses Spannungsfeld führt zu einem nicht mehr ausgeglichenen Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag in der Erfolgsrechnung. In der Folge resultieren Verluste, die man technisch als «strukturelles Defizit» bezeichnet. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, dass die Unternehmenssteuern «eingebrochen» sind. So belaufen sich die Erträge «unter diesem Titel» für das Jahr 2024 rund zwei Millionen Franken unter dem budgetierten Eingang. Das sind rund neun Steuerfussprozent, die letztlich – überspitzt ausgedrückt – «in der Gemeindekasse fehlen».

Die bereits erwähnten Defizite aus dem Jahr 2023 und aus dem letzten Jahr konnten mit einem Bezug aus dem Eigenkapital gedeckt werden. Dadurch nimmt aber die Verschuldung zu. Für das Jahr 2025 muss erneut mit einem grossen Defizit gerechnet werden. Eine Steuerfusserhöhung ist damit leider unumgänglich. Der Gemeinderat wird an der Bürgerversammlung eine Anpassung beantragen.

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass Steuerfusserhöhungen nicht beliebt sind. In den letzten Jahren konnte der Steuerfuss wie erwähnt deutlich reduziert werden. Nun hat sich das Blatt gewendet. Gleichzeitig mit der Steuerfusserhöhung überprüft der Gemeinderat alle Ausgaben auf ihre Notwendigkeit. Auch die Ertragssituation wird analysiert. Die Attraktivität von Goldach als Gemeinde und auch als Arbeitgeberin soll hingegen weiterhin gewährleistet werden. Einsparmöglichkeiten sind also immer auch unter diesem Aspekt zu beurteilen. Die finanzielle Situation ernst zu nehmen und gleichzeitig das Augenmass zu behalten und nicht in Panik zu verfallen, ist das Gebot der Stunde.

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