Quo Vadis Ostschweiz, Quo Vadis Kanton St. Gallen?
Der Kanton St. Gallen ist ein Nehmerkanton. Die Ressourcenkraft ist in einem eidgenössischen Vergleich tief. Dazu tragen strukturelle Gründe bei. Aber einen wesentlichen Beitrag zu dieser Ausgangslage leisten wir selbst: Dem Kanton St. Gallen fehlen schlicht die Visionen, wir beschäftigen uns am Liebsten mit uns selbst. Wichtige und seriös erarbeitete Projekte wie bspw. Wil West oder der Autobahnanschluss im Witen mit neuer Kantonsstrasse zum See stehen vor einer ungewissen Zukunft, die Anpassungen des kantonalen Finanzausgleichs – welcher der Stadt St. Gallen temporär mehr Handlungsspielraum gegeben hätten – wurden vor dem Hintergrund der Bewirtschaftung eines Stadt-Landgrabens gestrichen, mit der Folge, dass Fehlanreize im Gesetz nicht behoben wurden. Gleichzeitig wundern wir uns, dass die Ostschweiz den Anschluss verliert.
Ich wünsche mir mehr Mut. Den Mut, an Projekte zu glauben, auch wenn nicht jedes Detail geklärt werden kann. Den Mut, nicht immer das Haar in der Suppe zu suchen, wenn wir ein Ziel vor Augen haben. Und schliesslich den Mut, auch einmal Fehler machen zu dürfen, ohne gleich eine «mediale Kreuzigung» befürchten zu müssen.
Mit den erwähnten Projekten Wil West bzw. dem Anschluss im Witen mit Kantonsstrasse zum See wird viel Wertschöpfung erzielt, Millionen des Bundes werden in der Ostschweiz investiert und sorgen für Entwicklungsschritte, die wir dringend brauchen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Stimmbevölkerung des Kantons St. Gallen aufgrund der angekündigten Referenden über diese Projekte abstimmen können. Im Sinne der vorstehenden Ausführungen hoffe ich für die Ostschweiz, den Kanton St. Gallen und die Region am See auf eine breite Zustimmung zu diesen Projekten. Hören wir auf, Gräben zu bewirtschaften und einzig vor dem Hintergrund parteipolitischer Interessen zu argumentieren. Das führt letztlich zu nichts.
Wir brauchen Visionen und mehr Mut. Denn Stillstand ist letztlich Rückschritt.