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“De Luca het d`Wand agmoolet…”

Frau Glättli geht zum ersten Mal mit ihrer Klasse auf die Kindergartenreise. Alles ist perfekt organisiert und geplant. Recht früh sind auch schon alle Kinder da, nur noch Klaus-Rüdiger fehlt. Wo steckt er bloss?  Ab welchem Zeitpunkt darf man Zuhause anrufen? Frau Glättli ruft an. «Ah, die Kindergartenreise ist schon heute??» sagt seine Mutter ganz erstaunt am Telefon. «Der Klaus-Rüdiger ist aber noch im Pyjama.» «Bitte bringen Sie ihn direkt zum Bahnhof.» fleht Frau Glättli. «Aber bitte nicht wieder im Pyjama.» In 18 Minuten fährt der Zug los. Eilig läuft Frau Glättli mit ihrer Kinderschar in Richtung Bahnhof. Immer wieder schaut sie zurück, ob schon irgendwo der blaue Volvo von Familie Hunziker mit Klaus-Rüdiger auftaucht. Doch weit und breit nichts zu sehen. Immer wieder nervöse Blicke zurück.

Der Zug fährt ein. Gleichzeitig, praktisch auf gleicher Höhe mit dem Zug, fährt Frau Hunziker, die Mutter von Klaus-Rüdiger, mit dem Auto. Der Zug bremst. Frau Hunziker bremst. Die Leute steigen aus dem Zug. Frau Hunziker steigt aus dem Auto.  Ein Mann hebt einen Rucksack aus dem Zug. Frau Hunziker nimmt den Rucksack ihres Sohns aus dem Kofferraum. Sie rennt um das Auto herum. In diesem Moment öffnet Klaus-Rüdiger die Autotüre, die Mutter knallt in die Türe, fällt rückwärts auf den Boden und bleibt bewusstlos liegen, kommt aber wieder zu sich. Der Junge steigt aus, fällt über die Mutter und schlägt sich das Knie auf. Beide rappeln sich wieder auf. Mit letzter Kraft zieht die Mutter Klaus-Rüdiger den Rucksack an und ruft: «Renn!!». Der Junge humpelt los in Richtung Klasse. Die Kinder feuern ihn an: «Hopp Klaus-Rüdiger!». Und steigen in den Zug ein. Die Mutter stolpert hinterher: «Dini Lieblings-Gummibärli hesch vergesse!» Der Sack fällt auf den Boden, leert aus und die Gummibärli kullern über den Bahnsteig. «Ohni mini Gummibärli gangi nöd ufd Chindireis.» sagt der Junge trotzig und bleibt bockig stehen. Hastig sammelt die Mutter die Gummibärchen ein gibt sie dem Jungen und schiebt ihn in Richtung des Zugs. Die Klasse ist eingestiegen. In wenigen Augenblicken wird der Zug abfahren.

Die Mutter ruft: «Go Klaus-Rüdiger, go!». Der Bub hinkt weiter in Richtung Zugtüre, die sich gleich schliessen wird. Im letzten Moment springt er hinein und die Türen gehen zu. Entsetzt schaut Frau Glättli aus dem Zugfenster und sieht, wie sich der andere Zug in Bewegung setzt. Das darf nicht wahr sein. Klaus-Rüdiger hatte schon immer eine schlechte Orientierung. Frau Glättli hatte es beim letzten Elterngespräch noch angesprochen. Der Junge ist in den Zug gegenüber eingestiegen. Der andere Zug mit Klaus-Rüdiger fährt jetzt immer schneller und fährt weg auf die andere Seite, in Richtung Deutschland…

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