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Renato Kaiser

Ein Geschenk Gottes

Liebes Volk

Finden Sie auch, Weihnachten kann gar nicht zu früh kommen? Dann sind Sie hier genau richtig. Schmeissen Sie „Last Christmas“ in die Playlist, ziehen Sie ihren hässlichsten Ugly Christmas Sweater an (ja, den frivolen mit dem horny Rentier, Sie Schwein) und machen Sie sich gefasst, ich erzähle Ihnen eine Weihnachtsgeschichte – aus der Zukunft! Also aus der nahen Zukunft, nämlich: Die Geschichte aus 2023 nach Christus. Nicht die eine, alte Originalversion aus dem Jahre null während Christus. Es ist höchste Zeit für eine Neuauflage, einen zweiten Teil! Ist doch wahr: Von The Fast and the Furious gibt es schon 10 Teile! Vin Diesel ist in 12 Jahren mindestens neun Mal zurückgekehrt und Jesus Christus in 2000 Jahren nie! Das ist kein gutes Verhältnis!

Darum jetzt, die Weihnachtsgeschichte, Teil 2 – Christ is back! Back to the future! Am Heiligabend 2023 kommt das Christkind zu Ihnen nach Hause!

Und so beginnt die Geschichte: Draussen ist es dunkel, es liegt Schnee, drinnen brennen die Kerzen am Christbaum, es laufen besinnliche Weihnachtslieder, alles ist perfekt für die Ankunft unseres Herrn. Also unseres kleinen Herrn. Unseres Baby Bosses, sozusagen.

Sie schicken Ihre Kinder ins Zimmer, fangen an die Geschenke unter den Christbaum zu legen und – zack – ist das Christkind da! Also wirklich! Einfach so!

Zuerst erschrecken Sie sich natürlich, hoppla, was macht denn auf einmal so ein fremdes Baby auf der Couch, meine Güte, was die Leute heutzutage alles überall rumliegen lassen… Aber dann ergreift das Baby das Wort, schaut Ihnen tief in die Augen und sagt:

«Ja. Ich bin’s. The One and Only. Oft kopiert, nie erreicht. Jesus Christ Superstar – Pampers Edition, darf ich vorstellen: Das Christkind!»

Und Sie sind natürlich erstmal baff, starren es nur ungläubig an, worauf das Christkind sagt:

«Was denn? Warum seid Ihr so überrascht? Ihr habt doch jedes Jahr Weihnachten gefeiert, mir zu Ehren…? Ihr glaubt doch an mich, oder?»

Und Sie erwidern:

«Oh! Äh… Ja! Klar, pff, logisch, haben wir schon immer! Wir sind nur überrascht, dass Du jetzt endlich… gekommen bist?»

«Nun denn: So ist es! Hier bin ich! Wollt Ihr mich nicht langsam mal Euren Kindern vorstellen? Die freuen sich bestimmt. Endlich können sie dem Christkind persönlich Danke sagen für all die Geschenke, die sie all die Jahre von mir bekommen haben!»

Und Sie drehen sich bereits um zum Kinderzimmer, halten aber doch nochmal kurz inne, schauen zurück zum Christkind und sagen: «Moment… die Geschenke… die sie all die Jahre von Dir bekommen haben?»

«Ja klar!»

«Ja, aber… die Geschenke waren doch immer von uns…?»

«Waren sie das? Hm. Interessant, interessant… Wenn ich mich richtig erinnere, habt Ihr Euren Kindern immer gesagt, die Geschenke seien vom Christkind…?»

«Ja schon, aber…»

«Was, aber? Ich meine: Wollt Ihr Euren Kindern wirklich sagen, dass Ihr sie all die Jahre angelogen habt???»

Und dann merken Sie: Das Christkind hat Sie in der Hand. Und eigentlich ist es wieder wie immer: Wegen des Christkinds müssen Sie Ihre eigenen Kinder anlügen – diesmal einfach umgekehrt. Und so ist es dann halt: Die Kinder kommen raus, freuen sich übers Christkind, sagen Danke für all die Geschenke und das Christkind grinst scheinheilig unter seinem Heiligenschein. Sie schauen währenddessen heimlich in der Schublade nach, ob Sie noch die Quittungen von all den Geschenken der letzten Jahre haben, um sie dem Christkind in Rechnung zu stellen – vergeblich. Im Verlaufe des Abends kommen dann noch drei verstrahlte Könige vorbei, na toll. Jetzt reicht’s aber. Die schmeissen Sie sofort wieder raus, aber erst nachdem Sie ihnen die Geschenke abgenommen haben – dann hat sich der Abend doch noch gelohnt. Das Gold kommt in den Safe, die Myrrhe verkaufen Sie auf Ricardo als Impfgegengift an irgendeinen esoterischen Verschwörungstheoretiker und den Weihrauch rauchen Sie gleich selbst, nach der ganzen Aufregung.

In diesem Sinne besinnliche Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihr Kaiser

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