Erstmals wurden in der Goldacher Offnung die Grundsätze des Gemeindelebens und der Gemeindeorganisation schriftlich fixiert. Damit dokumentiert die Offnung einen Meilenstein der Ortsgeschichte. Der Goldacher Chronist Josef Reck bezeichnete sie gar als «Gründungsurkunde unseres Gemeinwesens». Die Offnungen Abt Ulrich Röschs, und insbesondere die Goldacher Offnung, sind freilich nicht nur aus rechts-, sondern auch aus kunsthistorischer Sicht von herausragender Bedeutung.
Die Goldacher Offnung wurde als «Dorfverfassung» jahrhundertelang in der Goldacher Genossenlade aufbewahrt und sorgfältig gehütet. Mit der Gründung des Kantons St. Gallen und der Aufhebung der Fürstabtei verlor sie jedoch ihre rechtliche Relevanz. Den geschichtlichen und künstlerischen Wert erkannten die Goldacher damals offenbar noch nicht, jedenfalls schieden sie das kostbare Stück aus dem Archivbestand aus. Die Offnung gelangte in den Besitz eines St. Galler Kunstsammlers, dessen Nachlass im Jahr 1950 in Luzern zur öffentlichen Auktion kam. Der Gemeinde Goldach gelang es, die Offnung zurückzukaufen. Der Auktionspreis lag damals bei CHF 2’165. Das entsprach ungefähr einem Drittel des Betrags, den man damals für einen VW Käfer bezahlte.
Um die sachgerechte Archivierung und optimale konservatorische Bedingungen zu gewährleisten wird das historisch wertvolle Schriftstück seit 2016 im Stiftsarchiv aufbewahrt. Dafür wurde ein Depositum-Vertrag abgeschlossen. Das Eigentum ist weiterhin bei der Gemeinde Goldach.
Im Juli werden im Hof zu Wil die «Hofwelten» mit einer vom Stiftsarchiv St. Gallen kuratierten interaktiven Ausstellung «Geistliche Herren mit weltlicher Macht – Fürstabtei St. Gallen» eröffnet. Die St. Galler Fürstäbte nutzten den Hof zu Wil seit dem Mittelalter als Zweitresidenz sowie als wichtigen dezentralen Standort ihrer Landesverwaltung. Im Rahmen der musealen Inszenierung werden hochkarätige Originale aus dem Stiftsarchiv St. Gallen sowie weitere Leihgaben aus Schweizer Sammlungen unter konservatorisch optimalen Bedingungen präsentiert und in ihren historischen Kontexten sowie aus aktueller Sichtweise betrachtet.
Die Goldacher Offnung von 1463 wird die Ausstellung ebenfalls bereichern. Der Gemeinderat hat einer Leihgabe von einem Jahr zugestimmt und freut sich über zahlreiche Besuchende.