Vizekommandant Bernhard Krempl ist per 31. Dezember 2024 zurückgetreten.

Feuerwehr Goldach – eine Ära geht zu Ende

Nach 29 Jahren im aktiven Dienst und insgesamt 10’593 Diensttagen ist Vizekommandant Bernhard Krempl per 31. Dezember 2024 zurückgetreten. Die Nachfolge des Vizekommandanten übernehmen Hauptmann Oliver Nagel (technisch) und Hauptmann Marc Ronner (administrativ).

Bernhard Krempl blickt auf eine lange Zeit voller Herausforderungen, wertvoller Erfahrungen und intensiver Zusammenarbeit zurück. In einem Interview teilt er seine Erlebnisse, spricht über die Veränderungen innerhalb der Feuerwehr und blickt auf die Zukunft der Organisation.

Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren im Dienst als Vizekommandant der Feuerwehr Goldach zurückzutreten?

Es sind gemischte Gefühle, welche mich umtreiben. Einerseits freue ich mich auf die neu gewonnene Freizeit, andererseits werde ich den Feuerwehrdienst mit all seinen Facetten bestimmt auch vermissen. In diesem Amt konnte ich sehr viel lernen und ganz viele Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Stufe teilen. Das hat mich persönlich sehr bereichert.

Was waren für dich die wichtigsten Aufgaben und Verantwortungen als Vizekommandant?

Ich war für die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrleute verantwortlich. Ausserdem durfte ich das neue Einsatzleitsystem mit einer gemischten Gruppe aus den Feuerwehren Rorschach-Rorschacherberg, Steinach und Goldach leiten. Ziel war die Beschaffung eines Systems, welche über alle Gemeinden funktioniert. Das haben wir damals geschafft. Ich konnte auch bei einigen Beschaffungen dabei sein, z. B. dem Tanklöschfahrzeug 2015. Als Vize habe ich drei Kommandanten erlebt. Ich hoffe, dass mich alle drei als Stütze und auch als Ratgeber erleben durften.

Gibt es besondere Erlebnisse oder Einsätze, an die du dich besonders gern erinnerst?

Ich durfte dreimal eine Strassenrettungsdemonstrationsübung moderieren. Einmal in Rorschach auf dem Kabisplatz, das andere Mal bei der Einweihung unseres neuen TLFs 2015 und dann am letzten Frühlingsmarkt in Goldach, wo wir das Thema Sicherheit ins Zentrum rückten. Dabei waren viele Zuschauende anwesend und wir konnten stolz unser Handwerk demonstrieren und der Bevölkerung zeigen, was mit ihren Feuerwehrersatzabgaben gemacht wird.

Was war für dich die grösste Herausforderung während deiner Zeit bei der Feuerwehr?

Die meisten Feuerwehreinsätze sind negativ behaftet. Wir werden gerufen, weil ein Ereignis Schaden verursacht hat. Das ist für die meisten Betroffenen kein freudiges Erlebnis. Leider kommen auch immer wieder Menschen zu Schaden. Mein schwerster Einsatz diesbezüglich war der tödliche Zusammenstoss auf dem Zubringer Arbon im Frühling 2015. Zwei junge Erwachsene waren eben verstorben und waren nur etwas älter als meine ältesten Kinder. Diese mussten wir aus dem Autowrack bergen. Dieser Einsatz beschäftigte mich zwei Tage sehr stark. Die Bilder dazu habe ich noch heute unauslöschlich im Kopf.

Wie haben sich deiner Meinung nach die Aufgaben und Anforderungen in der Feuerwehr im Laufe deiner Karriere verändert?

Die Einsätze sind immer technischer geworden. Wir haben uns schon längst von einem Löschtrupp zu einer spezialisierten Schadenwehr verändert. Viele Einsätze sind technischer Natur wie z. B. umgefallene Bäume, mit Wasser gefüllte Keller, eingeklemmte Personen usw. Wir haben auch Aufgaben übernommen, welche nicht zu den ursprünglichen Kernaufgaben einer Feuerwehr gehören wie First-Responder-Dienste oder Traghilfen zu Gunsten der Rettungsdienste. Ausserdem steht heute ein leistungsstarker Sanitätsdienst 24h bereit, welcher die Sanität in einem Massenanfall von sechs und mehr Patienten unterstützen kann.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, das für dich als Feuerwehrmann besonders prägend war?

Als junger Feuerwehrler wurden wir zu einem Blitzeinschlag in der Sonnenhaldenstrasse gerufen. Ich musste beim Aussteigen aus dem TLF noch ein Triopan mitnehmen. Es musste schnell gehen, so meinte ich damals mindestens. Es kam, wie es kommen musste. Das Triopan öffnete sich beim Aussteigen und ich stolperte darüber. Fazit: Triangel in der Hose und eine Schramme im Oberschenkel. Was lernte ich daraus? Schneller ist nicht immer geschwinder.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten haltest du für besonders wichtig in der Rolle des Vizekommandanten?

Der Kommandant oder die Kommandantin sollte sich zu hundertprozentig auf einen verlassen können. Ist er oder sie nicht anwesend oder fällt gesundheitlich aus, so muss die Feuerwehr organisatorisch trotzdem weiter funktionieren können. Ausserdem sollte man auch ein Gespür haben, wie es dem Chef oder der Chefin geht. Allenfalls braucht er oder sie Unterstützung, sieht es aber selbst noch nicht so klar. Ein Vize muss in der Lage sein, den Kommandanten notfalls hundertprozentig zu ersetzen und selbst das Kommando zu übernehmen.

Wie siehst du die zukünftige Entwicklung der Feuerwehr Goldach? Wo liegen deiner Meinung nach die grössten Herausforderungen?

Die Feuerwehr Goldach ist als eigenständige Feuerwehr ein Auslaufmodell. Das gilt auch für die regionalen Nachbarwehren. So haben die Kommandos in den letzten Jahren begonnen, ihre Zusammenarbeit zu verstärken. Bei Beschaffungen spricht man miteinander und überlegt sich, was noch sinnvoll ist und wie man mit Blick in die Zukunft vorgehen will. Dieses Jahr wird die Zusammenarbeit in der Ausbildung mit Rorschach-Rorschacherberg nochmals intensiviert werden und ich bin überzeugt, dass in nicht weiter Zukunft diese Schadenorganisationen anders aufgestellt und organisiert sein werden.

Was wirst du am meisten vermissen und worauf freust du dich in deiner Zeit nach der Feuerwehr?

Miteinander ein Ereignis erfolgreich bewältigen zu können, hinterlässt ein positives Gefühl. Feuerwehrleute verstehen sich auf der ganzen Welt. Wir sprechen die gleiche Sprache und lösen dieselben Probleme. Wir sagen jeweils, dass wir mit dem «Virus F» infiziert sind.

Ich freue mich auf meine wiedergewonnene Freizeit. Die Montagabende sowie die vielen weiteren Termine kann ich wieder für mich persönlich nützen.

Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten, die du in deiner Feuerwehrzeit gesammelt hast, wirst du in deinem weiteren Leben nutzen können?

Atemschutzgrundsatz Nummer 1: «Stehe still und sammle dich!» Dieser Grundsatz hat mir schon in vielen Lebenssituationen geholfen. Fällt etwas vor und man weiss nicht mehr weiter, dann zuerst einmal ruhig atmen und das Gehirn wieder mit Sauerstoff füllen, dann sieht sofort alles wieder anders aus.

Was möchtest du der Bevölkerung von Goldach über die Feuerwehr und ihre Arbeit mitgeben?

Die Feuerwehr erfüllt einen gesetzlich geregelten Dienst zum Wohl der Gemeinschaft. Menschen sind bereit, ihre Freizeit für andere Menschen zur Verfügung zu stellen und sich weiterzubilden und zu üben, dass sie im Ernstfall bereit sind. Zum Glück gibt es diese Menschen und sie verdienen den grössten Respekt.

Es wäre schön, wenn sich junge Menschen vermehrt aktiv am Dorfleben bzw. der Feuerwehr beteiligen würden. Nachwuchs zu finden war in den vielen Jahren meiner Mitgliedschaft immer ein Dauerbrenner.

Gibt es eine Anekdote oder eine besondere Erinnerung, die du gerne teilen möchtest?

Ich habe unzählige Schulklassen und Gruppen bei uns im Depot begrüssen dürfen. Beim Raiffeisenferienspass im Herbst sind wir seit Beginn mit immer sehr gut besuchten Kursen dabei. Das Säen von Samen hat sich ausbezahlt und wird sich weiter auszahlen. Heute tun ehemalige Schüler von mir Dienst in der Feuerwehr Goldach, das freut mich sehr!

Herzlichen Dank

Im Namen der Feuerwehr Goldach und dem Kommando Philipp, Oliver und Marc möchten wir Bernhard für seinen unermüdlichen Einsatz für die Feuerwehr Goldach herzlich danken. Eine Ära geht damit zu Ende.

Vizekommandant Oliver Nagel, Kommandant Philipp Nägeli und Vizekommandant Marc Ronner (v.l.n.r.)

 

Gemeinsam für die Sicherheit: Steig ein bei der Feuerwehr Goldach, denn wir brauchen dich!

Möchtest du auch Mitglied der Feuerwehr Goldach sein? Kommandant Philipp Nägeli nimmt deine Anmeldung gerne entgegen. Nähere Informationen findest du auch auf unserer Webseite unter www.feuerwehr-goldach.ch oder unter kdt@feuerwehr-goldach.ch

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