Sagen Sie mal, haben Sie auch das Gefühl, dass jemand heimlich an der Uhr dreht? Da schaut man einmal kurz nicht hin, und schon ist das halbe Jahr wieder vorbei. Wenn ich an die vielen neuen Gesichter denke, die ich in den letzten Monaten kennengelernt habe – sei es beim Schmökern in unserer Bibliothek im Foyer oder beim Fachsimpeln über den richtigen Jass-Wurf –, dann wird mir ganz warm ums Herz. Aus Fremden sind längst vertraute Wegbegleiter geworden.
Und genau das haben wir gefeiert! Unser Sommerfest am 20. Juni, war einfach herrlich. Überall hörte man Lachen, es gab Musik, und wir haben angestossen auf das Leben und die Gemeinschaft.
Wo das Dorf zusammenkommt: Unser «Kafi Breitä»
Aber wissen Sie, was fast noch schöner ist als die grossen Feste? Das ist der ganz normale Alltag hier. Früher zu Hause begann mein Morgen oft mit einer langen To-Do-Liste: Einkaufen, Kochen, Putzen und die ständige Sorge, ob ich alles schaffe. Heute sieht mein Alltag anders aus – er ist friedlicher geworden.
Nachmittags zieht es mich meistens in unser Kafi Breitä. Das ist kein steriler Heimspeisesaal, sondern ein richtig lebendiges, offenes Restaurant. Da herrscht ein Kommen und Gehen, das mir unheimlich gefällt. Letzten Dienstag kam meine Enkelin spontan zum Mittagessen vorbei, und am Nebentisch sassen zwei Handwerker aus dem Dorf und eine junge Mutter mit ihrem Kinderwagen, die sich ein Stück Torte gönnten. Man ist hier eben nicht «abgeschottet». Man ist mitten im Leben.
Und da muss ich unserem Küchenteam wirklich ein Kränzchen winden. Die übertreffen sich täglich selbst – egal ob für uns Bewohnende oder für die externen Gäste. Ich bin ja mit 85 keine Riesenesserin mehr, und manchmal meldet sich der grosse Hunger einfach nicht. Aber selbst dann zaubern sie mir eine kleine, feine Portion auf den Teller oder bringen mir eine Suppe, die den Magen wärmt. Man merkt einfach, dass hier mit Liebe gekocht wird.
Das nächste Highlight wartet schon
Nach dem Essen geniesse ich die Freiheit, einfach sein zu dürfen. Ein bisschen im Foyer bei der Bibliothek plaudern, das bunte Treiben im Kafi beobachten oder mich für ein Nickerchen aufs Zimmer zurückziehen – dieser Mix aus Privatsphäre und geselligem Dorfleben tut mir einfach gut.
Und langweilig wird es sowieso nie, denn das nächste Abenteuer steht schon direkt vor der Türe: Unser Ausflug auf die Insel Mainau!
Ich war schon jahrelang nicht mehr dort. Wenn ich an das bevorstehende Blütenmeer, den Duft der Rosen und den Blick über den Bodensee denke, kribbelt es mir fast ein bisschen in den Füssen. Es ist wie eine kleine Ferienreise, nur dass man am Abend wieder im eigenen, sicheren Bett im La Vita einschläft und weiss, dass man rundum behütet ist.
Ich habe mir in der Bibliothek schon einen kleinen Reiseführer besorgt, um mich einzulesen. Packen Sie auch schon die Sonnencreme ein? Wir sehen uns im Car oder vorher auf einen Espresso im Kafi Breitä!
Herzlichst,
Ihre Martha (Die sich nach dem feinen Mittagessen erst mal ein kleines Päuschen gönnt)
| Martha ist eine fiktive Person. Die Kolumne basiert jedoch auf wahren Ereignissen und Rückmeldungen von Bewohnenden aus dem La Vita Seniorenzentrum und soll sowohl Vorurteile gegenüber Pflegeheimen minimieren als auch einen Einblick in den Alltag im La Vita Seniorenzentrum gewähren. Bild erstellt mit KI. |