Renato Kaiser

Wie im fascho Film

Liebes Volk,

Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Ich meine nicht «wie im falschen Film». Denn ich möchte das Medium Film nicht beschmutzen mit der Realität, in der wir leben. Kein Film kann so falsch sein wie eine Realität, in der Donald Trump zum zweiten Mal zum U.S.-Präsidenten gewählt wurde. Und darum möchte ich nochmal betonen, dass das im Titel kein Vertipper war. Ausserdem erkennt man am holprigen Wortspiel: Das war sehr gewollt. Mir ist es sehr wichtig, Donald Trump einen Faschisten zu nennen. Einfach nur, damit die Sache klar ist. Auch auf die Gefahr hin, dass Leute wieder rumheulen mit «ja ist man denn direkt ein Faschist/Nazi, nur weil man…» (um dann die faschistischste Nazimeinung überhaupt rauszuposaunen). Ja, man ist direkt ein Faschist, wenn man eine demokratische Wahl nur dann anerkennt, wenn man sie gewinnt. Ja, man ist direkt ein Faschist, wenn man seine Anhänger*innen zum bewaffneten Sturm aufs Kapitol anstachelt, um die Regierungsübergabe zu verhindern. Und ja, man ist direkt ein Faschist, wenn man als Präsident komplette Immunität für sich will, um nicht für Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Apropos Verbrechen: Mir würde ja schon reichen, dass er ein verurteilter Sexualstraftäter ist, um ihn nicht als U.S.-Präsidenten haben zu wollen. Aber für alle, die damit ganz ok leben können, hole ich gerne die Faschokeule raus: Donald Trump ist ein Faschist. Denn das wird man wohl noch sagen dürfen, können, müssen, aber anscheinend eben vor allem wollen.

Denn am lustigsten sind ja jene, die – aus welchen Gründen auch immer – einfach nicht glauben (wollen), dass er das ist. Ja, hallo? Nur weil er sich wie ein Faschist verhält und wie ein Faschist spricht, muss das ja nicht heissen, dass er auch tatsächlich ein Faschist ist. Privat ist der ganz anders. Ja stimmt, privat bezahlt er Pornostars Schweigegeld und schreibt Liebesbriefe an Diktatoren. Worüber reden wir hier überhaupt? Und warum erzähl ich Ihnen das? Sie können schliesslich völlig zu Recht sagen: «Das bringt doch nichts, wir haben ihn ja nicht gewählt, lass uns doch in Ruhe.» Und das stimmt. Natürlich können wir ihn nicht wählen. Aber wissen Sie, was wir können? Ihn bei jeder sich uns bietenden Gelegenheit voller Inbrunst einen Faschisten nennen. Das können wir. Einfach, um was Richtiges zu sagen. Etwas Reales. Um die Norm zu setzen. Um nicht wahnsinnig zu werden. Machen Sie es für die mentale Gesundheit. Im Alltag, als Hobby, aus Leidenschaft und am liebsten dann, wenn der eklige Kollege im Büro oder der unangenehme Onkel beim Weihnachtsessen irgendwas Gutes an Trump findet. Vor allem, wenn das Büro im Bundeshaus steht und der unangenehme Onkel ein Bundesrat ist. «Ich tendiere eher zu Trump», hat Albert Rösti gesagt. Weil das offenbar etwas ist, was ein Bundesrat so sagt. Darum zeigte er sich dann auch von all der Aufregung ganz überrascht und sagte am nächsten Tag, er habe einen Fehler gemacht. Das sei nicht der Bundesrat Rösti gewesen, sondern die Privatperson. Ach so, ja dann. Da sind wir aber beruhigt, dass unser Bundesrat nur ganz privat zu einem Faschisten und Sexualstraftäter tendiert. Die Aussage war also nicht politisch, sondern ausschliesslich persönlich gemeint.

Und genau deswegen ist es so wichtig, immer und immer wieder zu sagen, dass Trump ein Faschist ist. Damit es nicht vergessen geht. Damit es keine Missverständnisse gibt. Damit man nicht sagen kann: «Ich tendiere zu Trump» ohne dass eine unsichtbare Stimme den Satz vervollständigt: «…und Trump ist ein Faschist.»

mit antifaschistischen Grüssen

Ihr Kaiser

ps: Nichtsdestotrotz bleibt Goldach selbstverständlich eine Monarchie und ich Ihr rechtmässig geborener Kaiser

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