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Guido Schwalt dirigiert auch die Stadtmusik Rorschach.

Der Taktgeber tritt kürzer: Goldachs Musikschulleiter Guido Schwalt geht in Pension

Guido Schwalt hat sein ganzes Berufsleben der Musikschule Goldach gewidmet. Nach über 40 Jahren geht der Schulleiter in Pension. Damit endet eine Ära. Ein Blick zurück.

Es gibt jene, die können es kaum erwarten, bis sie endlich in den Ruhestand gehen dürfen. Und es gibt solche, wie Guido Schwalt. Eigentlich hat der Goldacher Musikschulleiter das Pensionsalter schon im vergangenen Jahr erreicht. Er hat ein Jahr drangehängt. Und jetzt, wo es bald soweit ist, zählt er weder Tage noch Wochen. Im Gegenteil: «Ich geniesse einfach jeden Tag.»

Von der Blockflöte zu Musicalproduktionen

Guido Schwalt und die Musikschule Goldach, sie gehören seit jeher zusammen. Die Liebe zur Musik entdeckte er schon früh. Als 13-Jähriger trat er mit seiner Klarinette in die Stadtmusik Rorschach ein. Dass er die Musik auch zum Beruf machen möchte, wurde ihm während des Lehrerseminars klar. Nach drei Jahren als Primarlehrer in Goldach begann er sein Studium am damaligen Konservatorium und der Musikakademie in Zürich.

Guido Schwalt während seiner Zeit als Primarlehrer in Goldach.

Damals bildeten die Musikvereine ihre Musikantinnen und Musikanten noch selber aus. Die Nachfrage war gross, die Gründungszeit der öffentlichen Musikschulen gekommen. Goldach brauchte einen Leiter und fragte Guido Schwalt an. «Wir sind Schritt für Schritt gewachsen», erzählt er. Angefangen mit erweitertem Musik- und Blockflötenunterricht im Jahr 1979, startete 1982 der Unterricht für Klavier, Violine, Akkordeon, Gitarre und Altflöte. 1983 kamen Klarinette, Querflöte und Trompete hinzu.

Heute bietet die Musikschule 20 verschiedene Instrumente an. Sie geniesst einen guten Ruf über die Gemeindegrenzen hinaus, arbeitet mit Nachbarschulen zusammen, lanciert regelmässig den KIWANIS-Wettbewerb für Nachwuchstalente und hat mit der Oberstufe mehrere aufwendige Musicalproduktionen auf die Beine gestellt. Diese waren für Guido Schwalt «jedes Mal ein Highlight», angefangen mit dem «Rock`n`Roll-König» (1989) über «Glitterzüüg und Läderjagge» (1992), «Toms Musicaldream» (2002), «True colors» (2012) und «Yladanath» (2017). Das jüngste Musicalprojekt «niemand anderes» ging im Jahr 2022 über die die Bühne: 270 Schülerinnen und Schüler, 33 Oberstufen-Lehrpersonen, 2’400 Besucherinnen und Besucher in fünf Tagen.

Die gemeinsamen Musicals mit der Oberstufe waren für Guido Schwalt «jedes Mal ein Highlight». Wie hier im Bild «Yladanath» im Jahr 2017.

Den Schülerinnen und Schülern eine Bühne geben

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte, in der Guido Schwalt seit über 40 Jahren den Takt angibt. Er leitet nicht nur die Geschicke des täglichen Schulbetriebs und hält seinem Team, von dem ein Teil fast seit Anfang an dabei ist, die Büroarbeiten vom Leib. Er steht selber im Klassenzimmer, gibt Klarinetten– und Saxofonunterricht und dirigiert nebst Musicalprojekten zahlreiche Formationen: Kinderchor, Mittelstufenband, Oberstufenband, Jubiläumskonzerte. «Solche Projekte sind unheimlich wichtig für die öffentliche Wahrnehmung und den Stellenwert der Musik», sagt er und schmunzelt: «Es gibt übrigens kaum Schülerinnen und Schüler, die ihr Können nicht irgendwann einmal auf der Bühne zeigen möchten.»

Guido Schwalt dirigiert auch die Stadtmusik Rorschach.

Guido Schwalt hat die musikalische Bildung und Entwicklung mehrerer Generationen geprägt, mit ungebrochenem Elan und ansteckender Leidenschaft bis zum letzten Ton. Er ist stets am Zahn der Zeit, weiss, was gerade in den Charts läuft und arrangiert auch Pop- und Rap-Songs für seine Orchester. Nach Feierabend spielt die Musik in seinem Leben weiter. Er ist Richter bei Kantonalmusikfesten, leitet Dirigentenkurse für den Blasmusikverband, gestaltet das Programm von «Kultur i de Aula» mit und dirigiert seit über 40 Jahren die Stadtmusik Rorschach. Diese schreibt über ihr Ehrenmitglied:

«Guido Schwalt ist ein Chrampfer, der sich auf jede Probe und jedes Konzert hin 200-prozentig vorbereitet und nichts dem Zufall überlässt. Er ist ein echter Kamerad und Freund.»

Stadtmusik Rorschach

Wie bringt man das alles unter einen Hut?

Guido Schwalt muss nicht lange überlegen: «Ich mache meinen Job einfach wahnsinnig gerne. Und er gibt mir natürlich auch viel zurück.»

Musiklager: Eine liebgewonnene Tradition

Seit 1983 fährt der Musikschulleiter jedes Jahr mit einem Teil des Teams, seiner Frau Denise (seit Beginn als Köchin dabei) und musikbegeisterten Jugendlichen für eine Woche ins gemeindeeigene Lagerhaus Gonda in Ladir. Von morgens bis abends studieren sie auf 1’450 Metern über Meer Stücke fürs Abschlusskonzert in der Aula ein. «Diese Lager zu leiten, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, ist eine Freude», sagt er. «Da oben merkt man, wie die Zeit vergeht». Die Arrangements schrieb er anno dazumal noch von Hand («bis die Finger wehtaten»). Um Notenblätter zu kopieren, musste er runter ins Schulhaus im Tal («und vorher lieb fragen, ob wir das überhaupt dürfen»). Und am bunten Abend tanzten Mädchen und Buben in den 90ern zaghaft Stehblues («heute wird einfach gechillt»). Geblieben ist nach all den Jahren die Freude am Lagerleben und am gemeinsamen Musizieren.

Wie geht’s jetzt weiter? Von 200 Prozent auf 0? «Das könnte ich auf keinen Fall», sagt Guido Schwalt und schmunzelt. Er wird die Gemeinde Goldach während der ersten Zeit nach seiner Pension im Hintergrund in Technik- und Reservationsfragen unterstützen. Auch «Kultur i de Aula» bleibt er erhalten. Die neugewonnene Freizeit wird der bald achtfache Grossvater seiner Familie widmen.

Und, natürlich, der Musik.

Die Geschichte der Musikschule Goldach im Überblick

  • Herbst 1979: Erweiterter Musikunterricht: Beginn Grundkurs, Blockflötenunterricht
  • 30. März 1981: Die Schulgemeinde übernimmt an der Bürgerversammlung die Führung einer Jugendmusikschule als freiwillige Aufgabe.
  • 1981 – 1982: vorbereitende Organisationsarbeiten
  • Frühling 1982: Start Musikunterricht mit fünf Instrumenten: Klavier, Violine, Akkordeon, Gitarre und Altflöte
  • Herbst 1983: Durchführung des ersten Musikschullagers in Ladir
  • Seit 1983: Unterricht von Blasinstrumenten: Klarinette, Querflöte, Trompete
  • 1986: Erstes grosses Adventskonzert in der kath. Kirche
  • 1986: «Der kleine Prinz» (Musik: Peter Roth) in der evangelischen Kirche Goldach
  • 1986: «Plisch und Plum» in der evang. Kirche Goldach
  • 1989: Der «Rock`n`Roll – König» aus Anlass der 1200 Jahr-Feier
  • 1992: Musical «Glitterzüüg und Läderjagge» in der Wartegghalle (10 Jahre JMS Goldach)
  • 1994: Bezug der neuen Räume mit vierwöchiger Konzert- und Theaterproduktion unter dem Motto «Kultur i de Schuel»
  • 1997: Namensänderung und neues Logo der Musikschule
  • 1998: Musical «Mediotia» von Bruno Zürcher in der Aula
  • 1999: Vertrag zur Zusammenarbeit mit der MS Tübach
  • 2001: Gleichstellung der Musikschule mit den Schulkreisen
  • 2002: Bürgerversammlung nimmt die Führung einer Musikschule in das Gemeindegesetz auf
  • 2002: Jubiläumsveranstaltungen (Musik für Strassenkinder unter dem Patronat von Terre des hommes, Zeltkonzerte, Ehemaligenkonzert, Piratenkonzert der GrundschülerInnen, LehrerInnenkonzert)
  • 2002: «Toms Musicaldream» in der Wartegghalle wird zum Erfolg (20 Jahre Musikschule Goldach)
  • 2006: Zusammenarbeit mit der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg wird intensiviert, gemeinsame Ensembles, erstes gemeinsames Konzert mit der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg (Peter und der Wolf, musikalisches Märchen von S. Prokofjew)
  • 2007: Jubiläumswoche direkt am Bodensee (Rietli)
  • 2009: Erster KIWANIS Wettbewerb mit den Musikschulen Rorschach Rorschacherberg, Mörschwil und «am alten Rhein», 2011 zweiter KIWANIS Wettbewerb
  • 2012: Jubiläumskonzerte in der Aula Goldach
  • 2012: «True colors» grosses Musicalprojekt mit der Oberstufe Goldach (30 Jahre Musikschule Goldach)
  • 2012: 30. Musiklager unter der Leitung von Guido Schwalt
  • 2013, 2015, 2017: Dritter, vierter und fünfter KIWANIS Wettbewerb
  • 2017: «Yladanath», grosses Musicalprojekt mit der Oberstufe Goldach (erstes Musical im Fünf-Jahres-Abstand)
  • 2019 und 2022: Sechster und siebter KIWANIS Wettbewerb
  • 2022: «niemand anderes», grosses Musicalprojekt mit der Oberstufe Goldach (40 Jahre Musikschule Goldach)

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