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Paedagogische_Unterstuetzung_auf_vier_Pfoten

Die Oberstufe ist auf den Hund gekommen – Pädagogische Unterstützung auf vier Pfoten

In einigen Schweizer Klassenzimmern kommt es vermehrt zu vierbeiniger Unterstützung. Das Interesse an Forschung und am Einsatz von Schulhunden wächst immer mehr, wenngleich es weiterhin eine Seltenheit im Schulalltag darstellt. Seit dem Schuljahr 2021 begleitet Schulhund Meilo den Unterricht der 3. Oberstufenklasse von Larissa Dalla-Rosa. Für das Pilotprojekt kann eine erfolgreiche Zwischenbilanz gezogen werden.

Was ist ein Schulhund überhaupt und wozu nützt er?

Ein Schulhund ist ein speziell ausgebildeter Hund, der gezielt in Schulklassen eingesetzt wird. Er dient keinen therapeutischen Zwecken für eine einzelne Person, sondern unterstützt mit seiner Anwesenheit die Gesamtheit der Klasse. Studien verweisen nebst der bekannten Ausschüttung von Glückshormonen hauptsächlich auf ein angenehmeres Arbeits- und Lernumfeld, Stressreduktion sowie die Förderung sozialer Beziehungen innerhalb einer Klasse.

Was muss ein Hund erfüllen, um als Schulhund tätig sein zu können?

Ein Schulhund muss keiner bestimmten Rasse angehören, jedoch sind gewisse Eigenschaften erforderlich, die eine Schulhundeausbildung erst ermöglichen: Der Hund muss von Grund auf menschenbezogen, ruhig, ausgeglichen und gehorsam sein. Dass Meilo (Rasse Bolonka-Zwetna) zudem ein Anti-Allergiker-Hund und sehr lernwillig ist, erleichtert den Einsatz enorm.

Wie kam es dazu, dass die Oberstufe auf den Hund gekommen ist?

Meine Initiative, dieses innovative Projekt zu wagen, kam aufgrund langer Recherchen sowie dem Austausch mit schulhundeerfahrenen Lehrkräften. Dank der Bereitschaft der Schulleitung und der Bildungskommission konnte ich meinen Wunsch nach einem Schulhund innerhalb eines Jahrs realisieren. Bis dahin haben meine Klasse und ich den Unterrichtsalltag in gewissen Zeitabständen mit einem anderen Schulhund erprobt. Die Klasse gab sich zudem viel Mühe, alle Entscheidungstragenden mit einem eigenen Video und Plakaten von einem Schulhund zu überzeugen. Gestützt durch mein ausgearbeitetes Schulhundekonzept, dem Wohlwollen der gesamten Lehrerschaft und dem regelmässigen Austausch mit der Bildungskommission, stand dem Pilotprojekt «Schulhund» nichts mehr im Wege.

Wie sieht ein typischer Schultag von Meilo aus?

Meilo, eigentlich ein Langschläfer, wird in letzter Sekunde geweckt – kurz bevor er sich auf die Fahrrad- oder Autofahrt Richtung Oberstufe begibt. Er verbringt den frühen Morgen überwiegend in seinem Körbchen neben meinem Pult, welches er nur zur freudigen Begrüssung der Jugendlichen verlässt. Nachdem er sich bei fast jedem die ersehnten Streicheleinheiten abgeholt hat, macht er es sich wieder bequem. Richtig wach wird er – so wie die Meisten im Schulzimmer – erst, wenn es um 09:40 zur Pause läutet. Spätestens jetzt ertönt das ein oder andere freudige «Meilooooo» auf dem Schulflur, sobald auch die Jugendlichen anderer Klassen unseren Schulhund zu Gesicht bekommen. Ab dieser Zeit ist er deutlich aktiver, erfreut sich an noch mehr Streicheleinheiten, wird aber auch an gewissen Stellen gezielt für den Unterricht eingesetzt. So kann er z. B. zum Lernen fremdsprachlicher Präpositionen dienen oder als «Quizmaster» eingesetzt werden. Mit ein paar Leckerli, verschiedenfarbigen Hütchen oder Buttons, welche er mit der Pfote betätigt, ist einiges möglich. Meistens jedoch setzt er einfach seinen berüchtigten Hundeblick auf und landet prompt auf dem Schoss eines Schülers oder einer Schülerin.

Sind die bisherigen Erfahrungen rein positiv?

Es wäre utopisch zu glauben, dass sich durch das blosse Dasein eines Schulhunds alles ins Positive verändert. Es kann jedoch gesagt werden, dass es bislang keinerlei negative Erfahrungen gab und der Einsatz von Meilo viel Interesse in anderen Schulhäusern und auch der Pädagogischen Hochschule St. Gallen geweckt hat. Einige unserer Jugendlichen haben besonders grosse Freude an ihm, andere sehen ihn als schönen, aber normalgewordenen Teil des Schulalltags an. Ich freue mich, beobachten zu können, dass Meilo in zweierlei Hinsicht besonders Wirkung zeigt: Zum einen bei sehr ruhigen, zurückhaltenden Jugendlichen, welche durch den Hund mehr aus sich herauskommen; zum anderen bei sehr aktiven, schnell abgelenkten Jugendlichen, welche nun besser zur Ruhe finden oder sich in unkonzentrierten Phasen gezielt dem Hund widmen, anstatt Andere abzulenken.

Die Oberstufe Goldach nimmt mit dem Pilotprojekt «Schulhund» definitiv eine Vorreiterrolle ein und zeigt, was zahlreiche Studien belegen: Die blosse Anwesenheit eines gut sozialisierten und ausgebildeten Hunds wirkt sich positiv auf die Schulklasse aus. Wenn der Hund zudem für gewisse Unterrichtsaktivitäten gezielt eingesetzt werden kann, bringt dies Freude und Abwechslung. Auch wenn Meilo durch seine ständige Anwesenheit mittlerweile zum «Inventar» gehört, freue ich mich sehr über den damaligen Entscheid sowie die Unterstützung und das Vertrauen der Schulleitung und der Bildungskommission.

Wissenschaftliche Fakten
Physiologische und psychologische Stressreduktion• Reduktion von psychischem und physischem Stress
• Reduktion von Angst
• Verbesserung der Emotionsregulation
• Herstellung eines entspannt-ruhigen und gleichzeitig aktiven Zustands
Förderung positiver und sozialer Interaktion und Beziehungen• Förderung einer positiven Aufmerksamkeit und Wahrnehmung bei Anwesenheit des Hunds
• Förderung von Vertrauen
• Schaffung neuer Bindungserfahrungen
• Bedingungslose Akzeptanz durch den Hund
• Reduktion von ausgetragener Aggressivität
• Verbesserung der Interaktion im Klassenverband
Förderung einer positiven Lernatmosphäre• Förderung von Motivation und Lernfreude
• Schaffung positiver lernbegleitender Emotionen
• Unterstützung der Funktionalität exekutiver Funktionen
• Steigerung der Konzentration
• Exaktere Aufgabenausführung

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