Der Energieverbund Goldach basiert auf der Nutzung der neuen Seewasserfassung des Seewasserwerks Riet II der Regionalen Wasserversorgung St. Gallen (RWSG). Mithilfe von Grosswärmepumpen wird Seewasser aus 60 Metern Tiefe als erneuerbare Energiequelle erschlossen. Das System erzeugt Warmwasser mit 70 bis 80 °C und kann damit Haushalte und Industrie über ein Fernwärmenetz zuverlässig versorgen. Rund 95 Prozent der Energie stammen aus erneuerbaren Quellen, wodurch jährlich etwa 4’500 Tonnen CO₂ eingespart werden können. Das entspricht den jährlichen Emissionen von etwa 2’200-2’300 Autos.
Selbsttragendes System ohne Steuergelder
Der «Energieverbund Goldach» ist ein eigenständiges System, das von den Technischen Betrieben Goldach betrieben wird. Die Finanzierung erfolgt durch Anschlussbeiträge und laufende Gebühren, die sich aus einem Grundpreis und einem Tarif pro Kilowattstunde zusammensetzen. Die Gebühren sind so kalkuliert, dass der Energieverbund über die gesamte Lebensdauer der Anlagen mindestens kostendeckend betrieben werden kann. Zusätzlich reduzieren kantonale Förderbeiträge in der Höhe von 4,8 Millionen Franken den Investitionsaufwand auf 31,31 Millionen Franken netto. Für Aufbau und Betrieb des Energieverbunds werden somit keine Steuergelder verwendet. Damit stellt das Projekt eine wirtschaftlich konkurrenzfähige und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Energieversorgungssystemen dar.
Lokale Wertschöpfung und Flexibilität
Ein besonderes Potenzial des Energieverbunds liegt in der Integration lokaler Energiequellen. Die Firma Eilinger Holz AG betreibt bereits einen Nahwärmeverbund mit einer Holzschnitzelheizung, die ausschliesslich regionales Restholz aus dem betrieblichen Verarbeitungsprozess verwertet. Diese Anlage verfügt über eine Heizleistung von rund 300 Kilowatt und versorgt damit das eigene Geschäftsgebäude, mehrere Mehrfamilienhäuser sowie ein benachbartes Gewerbeobjekt. Bereits seit 1988 betreibt die Eilinger Holz AG einen eigenen Energieverbund – zunächst am Standort Schulstrasse und heute an der Langrütistrasse – und bringt damit jahrzehntelange praktische Erfahrung in der lokalen Wärmeversorgung ein.
Die Anlage verfügt zudem über weiteres Potenzial für eine Leistungserhöhung. Für Marcel Eilinger, Inhaber der Eilinger Holz AG, ist die Zusammenarbeit mit dem Energieverbund daher ein logischer Schritt: «In der Wärmeproduktion ist es wichtig im Grossen zu denken. Denn je grösser ein Verbund ist, desto effizienter kann Wärme produziert werden. Weiter kommt eine Redundanz hinzu, wenn mehrere verschiedene Wärmeerzeugungen zusammenwirken. Jeder Energieträger hat Vor- und Nachteile und sollte entsprechend genutzt werden.»

Es ist technisch möglich, Eilinger Holz und gegebenenfalls weitere Holz-Nahwärmeverbunde in den Energieverbund einzubinden. «So wird auch die regionale Forstindustrie gestärkt und der umliegende Wald genutzt. Dadurch können auch Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden», so Eilinger. Es bietet sich also die Chance, die lokale Wertschöpfung zu erhöhen und das Fernwärmenetz mit zusätzlicher erneuerbarer Energie aus der Region zu versorgen.
Auch die Heizzentrale der Schulanlage Wartegg verfügt über eine Wärmepumpen- und Blockheizkraftwerksanlage mit Leistungsreserven, die eine zeitnahe Erschliessung von Liegenschaften im Versorgungsgebiet Bruggmühlestrasse ermöglichen könnte. Die Integration wird im weiteren Projektverlauf vertieft geprüft.
Intelligente Kopplung von Wärme und Kälte
Eine weitere innovative Komponente des Projekts ist das Kältenetz im Industriegebiet Riet. Es versorgt Betriebe wie Amcor mit Prozesskälte und nutzt die dabei entstehende Abwärme gleichzeitig für die Wärmeversorgung. Da die Abwärme ein höheres Temperaturniveau als das Seewasser aufweist, erhöht sich der Wirkungsgrad der Wärmepumpen deutlich. Dieses Gesamtsystem zeichnet sich durch eine hohe Versorgungssicherheit und Energieeffizienz aus, unterstützt die Modernisierung industrieller Infrastrukturen und trägt zur langfristig verantwortungsvollen Energieversorgung des Standorts bei.
«Ein strukturierter Energieverbund hilft uns, Energie- und Wärmeströme besser zu kontrollieren und einen sicheren, stabilen Betrieb langfristig zu gewährleisten. Im Vordergrund stehen für uns eine stabile Versorgung, eine effizientere Energienutzung und die Reduktion technischer Risiken», erklärt Laurent Mangnan, Geschäftsführer der Firma Amcor Flexibles Rorschach AG, Goldach. Gleichzeitig ermögliche «die zentral gesteuerte, überwachte und öffentlich betriebene Energieinfrastruktur eine transparente Kontrolle der Umweltauswirkungen, eine Reduktion der Emissionen sowie eine verlässliche Grundlage für das langfristige Zusammenleben von Wohngebieten und bestehenden Industriebetrieben in Goldach».
Etappenweiser Ausbau und Übergangslösungen für kontinuierliche Versorgung
Der Ausbau des Kälte- und Wärmenetzes soll innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre schrittweise in den vorgesehenen Versorgungsgebieten realisiert werden. Die Infrastruktur wird so geplant, dass auf künftige Entwicklungen, neue Technologien oder eine steigende Nachfrage reagiert werden kann.

Die Inbetriebnahme der Energiezentrale ist an die Fertigstellung des neuen Seewasserwerks Riet II geknüpft und für Ende 2029 vorgesehen. Bis dahin werden individuelle Übergangslösungen erarbeitet. Bestehende Heizungen können weiterbetrieben werden, sofern ihr Zustand dies zulässt. Bei Ausfällen werden passende Ersatzlösungen bereitgestellt und es stehen mobile Übergangslösungen zur Verfügung, um Versorgungslücken zu überbrücken.
Freiwilliger Anschluss mit breiter Wahlfreiheit
Ein Anschluss an den Energieverbund ist für Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer nicht verpflichtend. Auch mit dem Ausbau des Systems sind alternative Energiequellen wie Solarthermie, Wärmepumpen oder Holzheizungen weiterhin möglich. Der kommunale Wärmerichtplan gibt Auskunft darüber, welche Systeme sich für welche Gebiete besonders eignen. Gas- und Ölheizungen lassen sich jedoch mittel- und langfristig nicht mit dem Ziel Netto-Null vereinbaren und werden durch die Energiegesetzgebung zunehmend eingeschränkt.
Bewährte Technologie mit regionalen Vorbildern
Die Nutzung von Seewasser für Wärme- und Kälteanwendungen ist ein etabliertes System. In der Bodenseeregion bestehen bereits mehrere funktionierende Seewärmeverbunde, darunter der Seewasser-Wärmeverbund Rorschach und die see energie AG in Steinach.
Die Technischen Betriebe Rorschach ziehen aus dem Betrieb des Anergienetzes in ihrer Gemeinde eine sehr positive und langjährig abgestützte Bilanz. «Der Aufbau eines solchen Verbunds ist anspruchsvoll, doch er zahlt sich langfristig aus. Heute verfügen wir über eine zuverlässige, effiziente und klimafreundliche Wärme- und Kälteversorgung», sagen Michael Marti, Betriebsleiter und Beat Bosshart, Abteilungsleiter Wärmeversorgung. Der Einsatz lokaler Ressourcen wie Seewasser bringe einen grossen Mehrwert: Die Energie sei erneuerbar, regional verfügbar und mache unabhängiger von Importen und Preisschwankungen. Gleichzeitig bleibe die Wertschöpfung in der Region – ein Vorteil für Bevölkerung und Gemeinde. Die Technischen Betriebe Rorschach sind überzeugt: «Ein Energieverbund ist eine Investition in die Zukunft. Er stärkt die Versorgungssicherheit, unterstützt die Klimaziele und bietet der Bevölkerung langfristig stabile Rahmenbedingungen.»
Diese Erkenntnisse und das Fachwissen umliegender Gemeinden liefern wertvolle Erfahrungswerte, die in die Planung des Energieverbunds Goldach einfliessen. Die Technischen Betriebe Goldach bauen nun schrittweise die nötigen Kompetenzen auf, unterstützt durch Planungsunternehmen sowie Dienstleistungs- und Serviceverträge mit Partnerfirmen.
Mit dieser bewährten Grundlage und den günstigen Rahmenbedingungen durch die Synergien mit dem Seewasserwerk Riet II bietet sich für Goldach jetzt die Gelegenheit, eine nachhaltige Energieversorgung aufzubauen. Alle Beteiligten sind überzeugt, dass dieses Generationenprojekt die richtige Investition in die Zukunft der Gemeinde ist, und empfiehlt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, dem Kredit am 8. März zuzustimmen.
Für Fragen stehen Ihnen die Technischen Betriebe Goldach gerne zur Verfügung, 058 228 78 78, tbg@goldach.ch
| Amcor |
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| Was bedeutet es für Ihr Unternehmen, Teil einer nachhaltigen Energielösung für Goldach zu sein? Als seit über 100 Jahren in der Region Goldach–Rorschach verankerter Industriestandort ist es für uns zentral, unsere Aktivitäten sicher, kontrolliert und verantwortungsvoll zu betreiben. Die Mitwirkung an nachhaltigen Energielösungen unterstützt unseren Ansatz, technische Risiken weiter zu reduzieren, unsere Infrastruktur zu modernisieren und unsere industrielle Tätigkeit langfristig abzusichern – im Einklang mit den gesetzlichen und ökologischen Anforderungen. Was wünschen Sie sich für die Energiezukunft von Goldach? Wir wünschen uns eine Energiezukunft, die auf verlässlichen, gut kontrollierten und lokal angepassten Lösungen basiert. Für Goldach bedeutet dies Infrastrukturen, die den Schutz der Umwelt gewährleisten, die Sicherheit industrieller und öffentlicher Anlagen erhöhen und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung der Region nachhaltig unterstützen. |
| Eilinger Holz |
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| Welche Synergien entstehen für Ihr Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit dem Energieverbund? Das Projekt denkt im Grossen und ist auf eine langfristige Lösung für die Zukunft orientiert. Wir freuen uns daher, wenn wir das Projekt entsprechend mit unserer Erfahrung aus der Holzenergie und dem bereits vorhandenen Know-how aus der Fernwärmeversorgung unterstützen können. Für uns als Betrieb ist es zudem wichtig, die Wertschöpfung des Holzes möglichst vollumfänglich auszunutzen, um breit als Unternehmen abgestützt zu sein. So sind für uns wichtige Synergien, dass wir auch unser Restholz nach Möglichkeit am gleichen Standort verwerten können. Warum sollte die Bevölkerung dem Projekt zustimmen? Bei der Energieversorgung sind grössere Verbunde massiv wirtschaftlicher und ökologischer als kleine, einzelne Heizungsanlagen. Weiter ist die Gemeinde als Organ der Bevölkerung sehr gut geeignet, dieses Projekt umzusetzen, da doch auch teils Bedenken bei Verbrauchern bezüglich einer Abhängigkeit von einem privaten Unternehmen bestehen. Was wünschen Sie sich für die Energiezukunft von Goldach? Wir wünschen uns eine unabhängige und ökologische Versorgung der ganzen Gemeinde. Vielleicht kann das Projekt uns auch zu einer autarken Energieversorgung in ferner Zukunft führen. |
| Technische Betriebe Rorschach: |
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| Welchen Mehrwert seht ihr darin, dass lokale Ressourcen wie Seewasser genutzt werden? Die Nutzung lokaler Ressourcen wie Seewasser ist ein grosser Mehrwert. Die Energie ist erneuerbar, regional verfügbar und macht uns unabhängiger von Importen und Preisschwankungen. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung in der Region, ein Vorteil für Bevölkerung und Gemeinde. Was wünscht ihr euch für die Energiezukunft von Goldach und Rorschach? Für Goldach und Rorschach wünschen wir uns eine vernetzte, nachhaltige Energiezukunft, in der Gemeinden voneinander lernen und regionale Lösungen gemeinsam weiterentwickeln. |